Unser Gemeinschaftskonzert 2019

Neues Land in Sicht

Vom Aufbrechen, Suchen und Ankommen

Gemeinschaftskonzert des Chornetzwerks am 23. Februar 2019
Stuttgart, Theaterhaus T1, 20:00 Uhr, Eintritt 17,-- €, ermäßigt 11,-- €

„Land in Sicht“ war der Titel unseres Konzerts im November 2016 in Ulm. Im Mittelpunkt standen Flucht, die Suche nach Perspektiven und der Wunsch Utopien zu gestalten. Seitdem hat sich einiges verändert. In peitschenden Wellen treibt Europa weiter nach rechts, Menschenrechte gelten nur noch für Privilegierte und die Wogen des Klimawandels lassen Ernten vertrocknen und bedrohen andernorts ganze Städte und Inseln durch Stürme und Wassermassen. Das Land, das wir nunmehr suchen muss ein radikal anderes, ein neues Land sein.
„Neues Land in Sicht“ ist der Wunsch Neuland zu betreten, alte Denkweisen, den bisherigen Umgang mit der Welt und die Art zu wirtschaften hinter sich zu lassen.

Neues zu wagen! Auch beim Konzert betreten wir Neuland. Die einzelnen Chöre lösen sich immer wieder auf, wir singen in unterschiedlichen Zusammensetzungen, unterstützen uns gegenseitig, solidarisch und verbunden. Inhaltlich orientieren wir uns an den Themen Aufbrechen, Suchen und Ankommen. Musikalisch sind poppige Werke von Bittenbinder, Manu Chao über Queen bis Rio Reiser zu hören, minimal music von Philip Glass oder kämpferische Lieder der Toten Hosen und des Commoners Choirs. Von „Ey özgürlük“ bis „Cancion“, von „After the goldrush“ bis „Immer mehr Land“. Viele Stücke wurden eigens für einen bis zu achtstimmigen Chor arrangiert. Bis zu 150 Sänger*innen interpretieren sie mit Hingabe. Es klingt kritisch, nachdenklich oder philosophisch, auch mal ironisch, heiter oder beschwingt. Gemeinsam wollen wir aufbrechen und steuern auf unser Ziel zu: Eine Welt in der wir leben möchten!

Fünf Chöre – ein Konzert – ein gemeinsames Ziel!

 

Flyer

 

Unser Gemeinschaftskonzert 2016

Unser Gemeinschaftskonzert 2016

Ulm, Haus der Begegnung, 12.11.2016

Land in Sicht

Tsunamis des Klimawandels drohen uns zu überrollen,
Wogen kriegerischer Auseinandersetzungen,
Wellen des Macht- und Gewinnstrebens,
der Korruption und
der zu Sport umgedeuteten Unsportlichkeiten.

In solchen Zeiten suchen Menschen verstärkt nach Veränderung. Manche machen sich auf, um ihre Not zu lindern oder gar um das nackte Leben zu retten. Andere brechen auf, weil sie Lust auf Neues haben und weil sie Utopien mit gestalten wollen. Auf ihrer Suche sind sie hilflos im Nebel unterwegs oder sie navigieren zielgerichtet nach den Sternen. Bis endlich der Ruf ertönt: "Land in Sicht"!
Aufgebrochen, auf der Suche, angekommen! Freude! Jubel! Erleichterung! Feste mit Gesängen! Aber auch Fragen über Fragen: Sind wir hier sicher? Können wir nun in Frieden und Freiheit leben? Lassen sich unsere Träume verwirklichen? Folgt auf den Fortschritt der Rückschritt?
Jeder an dem Projekt beteiligte Chor macht sich auf seine Weise auf den Weg. Mit den ausgewählten Stücken macht sich ein Chor nach dem anderen auf die Suche nach der richtigen Route. Dann vereinigen sich die etwa 150 SängerInnen zum gemeinsamen Singen. Mal heiter, mal wolkig - mal beschwingt, mal nachdenklich. Zusammen steuern wir auf unser Ziel zu:
Eine menschliche Welt - eine Welt, in der wir leben möchten!

Programm

 

Mehr zu den Liedern

 

Je nach Sichtweise
Veronika Bittenbinder (2015): Freiheit     (Chorarr.: Kristina Stary)
In ihrem Stück nimmt Veronika Bittenbinder, eine 24-jährige Liedermacherin und Bandleaderin aus Bayern, das Verständnis von Freiheit auseinander. Welche Bedeutung hat dieser aufgeladene, konträr besetzte Begriffs für verschiedene Menschen? Und welche für Flüchtlinge, die auf der Suche nach Freiheit ihre Heimat verlassen?
„… Freiheit ist für den Hungrigen sich satt zu essen, für den Perfektionisten die Zeit zu vergessen…Neue Flüchtlinge im Libanon und rechte Hooligans verprügeln Fußballfans im Stadion. … Du machst dich auf den Weg um zu überleben und du weißt nicht wie's weitergeht. Aus welchem Land Du auch kommst und was mit Dir ist, es ist schön, dass Du hier bist!“

 

Sicht auf die Erde aus dem All
David Bowie (1969):     Space Oddity     („Weltraumkuriosität“, Chorarr.: Kristina Stary)
David Bowie schuf mit seiner Komposition einen Klassiker des progressiven und psychedelischen Folk Rocks. Das Jahr der Mondlandung der Apollo 11 markiert den Aufbruch der Menschheit über die irdischen Grenzen hinaus. Im Lied startet der Astronaut Major Tom mit seiner Rakete, verlässt später die Raumkapsel und schwebt im All mit Blick auf die Erde. Plötzlich bricht die Verbindung ab. Bowie starb im Januar 2016.
“… obwohl ich Hunderttausend Meilen weit weg bin, fühle ich mich ganz ruhig. Und ich glaube, mein Raumschiff weiß den Weg. … Ich schwebe hier um meine Blechdose hoch über dem Mond.
Der Planet Erde erscheint blau und es gibt nichts, was ich noch tun kann…“

 

Außensicht der Diktatur
Zülfü Livaneli (1984): Kardeşin duymaz („Dein Geschwister hört nicht“, Arr.: Sigi Brüggemann)
Der große türkische Poet und Musiker Zülfü Livaneli veröffentliche das Stück im Jahr der Rückkehr in seine Heimat aus dem Exil. Er war in den Zeiten der Militärdiktatur politisch verfolgt worden. Im Lied thematisiert er die Ignoranz der Landsleute und die internationale Solidarität der „Fremden“. Gefühle entstehen von beklemmender Aktualität …
Sie … versuchen, deine Stimme zu ersticken. Dein Herz aus Glas ist halb und gebrochen, Dein Schreien um Mitternacht - Dein Geschwister hört nicht, (doch) der Fremde hört es. Falle nicht, wenn du das alles gesehen hast, … Öffne dein Herz zu einem Merhaba!“

 

Andere Konzertprojekte
und Gesangsaktionen des Chornetzwerks

Regelmäßig finden sich die Netzwerkchöre zu einem gemeinsamen Konzertprojekt zusammen. Das seit 2007 bewährte Konzept vereinigt gemeinsam vorgetragene Stücke mit über 100 beteiligten Sänger*innen und Beiträge der einzelnen Chöre. Das erste Projektkonzert war 2007 „ALLES SATT!? Ein Chormenü in fünf Gängen“ über die globale Ernährung. 2009 sangen ca. 80 Chornetzwerk-Sänger*innen in Oberösterreich bei den Befreiungsfeiern im ehemaligen KZ Mauthausen und dessen Nebenlager Gusen. 2011 folgte dann „AUSVERKAUF. Ein Chörekonzert zu Macht und Geld“. 2016 kommt das vierte Chornetzwerk-Konzert zur Aufführung: „LAND IN SICHT. Vom Aufbrechen, Suchen und Ankommen“. Hier thematisieren und besingen wir die Themen Visionen, Utopien, Flucht und Migration.

Seit 2004 gibt es ferner kleinere chorübergreifende Gesangsaktionen von Mitgliedschören wie 2005  gegen den Irak-Krieg. Oder ein Chor initiiert einen Auftritt, an dem sich einzelne SängerInnen anderer Netzwerk-Chöre beteiligen, so für die Stuttgarter Initiative Gedenkstätte Hotel Silber (ehemalige Gestapo-Zentrale), gegen Stuttgart 21, vor dem Werk des Kleinwaffenherstellers Heckler&Koch in Oberndorf am Neckar oder 2015 erneut bei der Befreiungsfeier in Mauthausen.